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Kurzfassung der Diemardener Chronik

zusammengestellt: März 2011 von Ortsheimatpfleger Wolfgang Ruhe

Im Sommer 1957 absolvierte Frau Liselotte Hardege ihr Praktikum in der Schule in Diemarden. Sie erhielt nach eigenen Angaben den Auftrag aus dem für sie greifbaren Material eine Chronik des Dorfes Diemarden zusammenzustellen. Als Nachweis wurden von Frau Hardege 84 Quellen angegeben. Unter anderem Rechnungen, Protokolle und Akten der Gemeindeverwaltung, Pfarrarchiv und Schulchronik. Die Registratur der Kreisverwaltung, Superintendentur-Archiv, Archiv der Stadt Göttingen, das Niedersächsische Staatsarchiv und die Klosterkammer.

Urkundlich erwähnt wird Diemarden schon kurz nach dem Jahr 1000. In einer Stiftungsurkunde 1022 wird erwähnt, dass der Bischof Bernhard von Hildesheim das neu gegründete Michaeliskloster in Diemarden mit umfangreichen Besitz ausgestattet hat. Diese Jahreszahl

wird immer wieder in Zweifel gezogen, da 1022 von vielen Orten im Landkreis Göttingen als Gründungstermin angegeben wird. Aber auch die an der Ausstellung der Urkunden beteiligten Personen hielten sich teilweise angeblich an anderen Orten als angegeben auf.

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Bild1

Die alte Holzbrücke über die Garte am Diemardener Thie (1936 erneuert und 1996 durch die heutige Brücke ersetzt)

Trotz aller bestehenden Zweifel wird das Jahr 1022 offiziell als Gründungsjahr für Diemarden angenommen. Schon 3000 – 2000 v Chr. gab es eine Ansiedlung mit 60 Feuerstellen zwischen Diemarden und Klein Lengden. 1936 wurden dort zahlreiche Bodenfunde, u. a. Feuersteinmesser, Flachhacken, Keile, Felsgesteinskeile, Bombentöpfe und brandkeramische Scherben registriert (Städtisches Museum Göttingen). Nach Professor Dr. Edward Schröder wurde um 400 vor Christus eine Ansiedlung in diesem Bereich Dietmarithi (Platz des Dietmar) erwähnt. Es besteht die Annahme, dass diese „Siedler“, die nach Vermutungen aus dem Elbgebiet zwischen Harz und Thüringer Wald herziehend sich hier niedergelassen haben, das von den Kelten fast verlassene Leinetal in Besitz genommen haben.

Gaenseberg

Gänseberg 1, heute Familie Friedel Schachtebeck

Die Herrschaft über die Michaeliskirche und das Klostergut wechselte seit 1022 häufig. So wird unter anderen der Bischoff Konrad von Hildesheim, die von Hilvershausen, Edelherren von Plesse, Reinoldshusen, Graf Otto von Waldeck, die von Rusteberg und Herzog Otto von Braunschweig genannt. Bis 1817 besaß das Kloster eine eigene Gerichtsbarkeit. 1850 wurde das Klostergericht aufgehoben und mit Reinhausen vereinigt. Erst 1847 wurde der erste Köderhof gegen Geldzahlung an den Pächter übergeben. Die Köder waren verpflichtet ihren Lehn in Naturalien oder Arbeitsleistung zu erbringen. 1870 gingen dann alle Köderhöfe an die Besitzer über.

Der erste Pfarrer wurde 1227 benannt. Die heutige St. Michaeliskirche wurde 1733 erbaut. Der Altaraufbau wurde von 1839 – 1841 vom Tischler Richter aus Diemarden und Tischler Ahrens aus Reinhausen angefertigt. Pastor war zu dieser Zeit Johann Daniel Gottlob Schramm. Die Kirchengemeinde Diemarden hat für den Neubau der Kirche einen Kredit in Rosdorf in Höhe von 300 Talern zu 3 % Zinsen aufgenommen. Wertvolle Kunstgegenstände sind unter anderem der Apostelaltar der aus dem Jahr 1500 stammt und der Taufstein der aus der Zeit um 1400 stammt. Eine weitere Sehenswürdigkeit oder Rarität ist die Glocke aus dem Jahr 1379, sie hat einen Durchmesser von 69 Zentimetern, ein Gewicht von 220 kg, und klingt im Ton „e“. Auch die Orgel die aus dem Jahr 1833 stammt kann man noch heute als „sehenswert“ bezeichnen.

Alte Schule

Bild links: die "alte Schule am Thie" heute Wohnhaus von Edith Friese. Vorn Küsterwohnung, in der Verlängerung (nicht auf dem Foto zu sehen) war die Lehrerwohnung. Die zwei Klassenräume befanden sich in der 1.Etage (die vier kleinen Scheiben übereinander). Bild rechts: der Schuleingang.

Die Anzahl der Einwohner ist schwer zu schätzen. 1448 wurden 26 Dienstplichtige genannt, 1550 schreibt man von 35 Familien mit 116 Personen, 1760 ist die Rede von 370 Personen. Lange lag die Einwohnerzahl dann bei etwa 500 Personen und stieg erst durch die Nachkriegsjahre durch Heimatvertriebene auf fast 1000 Einwohner. Da der vorhandene Wohnraum nicht ausreichte wurden Bebauungspläne erstellt. Die erste Siedlung wurde im Rosenwinkel (über dem Sportplatz) ausgewiesen, ihr folgten im Lauf der Jahre weitere.

1409 wurde die Diemardener Warte, als erste und größte ihrer Art, die die Stadt Göttingen besaß, gebaut. Sie diente dem Schutz der Handelsstraße Weser – Göttingen – Geismar – Diemarden – Reinhausen – Eichsfeld – Thüringen. Die Warte hat einen Durchmesser von sieben Metern und ist vierzehn Meter hoch. (Sie wurde um 1850 erneuert).

In regelmässigen Abständen wird von Naturkatastrophen, vor allem durch das immer wiederkehrende Hochwasser der Garte berichtet. Aber auch Seuchen und Unbillen durch durchziehende Heere verschiedener Nationen bedrohten immer wieder die dörfliche Idylle. Durchziehende Soldaten hinterließen vielfach uneheliche Kinder. Die betroffenen Frauen wurden von der Obrigkeit, vor allem auch von der Kirche, mit Verachtung gestraft, was Taufeinträge aus diesen Zeiten dokumentieren.

Bild3

Die „neue Schule“ in Diemarden – eingeweiht am 4. Januar 1909

In einer Volkszählung wird 1755 ermittelt das in Diemarden 189 männliche und 192 weibliche Personen leben. Im Juni 1855 wird anlässlich einer Kirchenrevision die Stundenzahl der „Sommerschule“ beanstandet. Bis Pfingsten wird täglich, nach Pfingsten wird wöchentlich nur noch vier mal drei Stunden unterrichtet. Während der Ernte erhalten die Kinder kurze Anleitungen an den Sonntagen. Es bleibt aber schließlich alles beim Alten.

Am 19. Dezember 1897 eröffnet die Gartetalbahn den Personen- und Stückgutverkehr zwischen Göttingen und Rittmarshausen, sie fährt mitten durch Diemarden. Am 1. Juli 1907 wird die Strecke bis nach Duderstadt verlängert. Nachdem die Strecke von Rittmarshausen nach Duderstadt 1933 endgültig eingestellt wurde, verkehrte am 31. Oktober 1957 der Triebwagen der Gartetalbahn zum letzten Mal im Personenverkehr. Im Februar 1959 wird auch der Güterverkehr eingestellt.

Im Juni 1907 wird Diemarden an das Telefon-Netz angeschlossen. Bisher hatte nur das Klostergut einen Telefonanschluß.

Am 30. Juli 1958 findet die feierliche Einweihung der Wasserleitung statt.

Am 24. November 1959 wird das Richtefest des Anbaus der Neuen Schule gefeiert, die Einweihungsfeier findet am 20. Oktober 1960 in der Pausenhalle der Schule statt.

Im Juli 1960 wird die Bushaltestelle von der Kreuzung Lange Straße / Göttinger Straße in die Bahnhofstraße vor die "Gaststätte zum Bahnhof" verlegt.

1960 hatte Diemarden 778 Einwohner in 125 Wohngebäuden.

1961 wird der Pfarrsitz, der seit 1588 in Diemarden ist nach Reinhausen verlegt.

Im Dezember 1962 tritt die Gemeinde Diemarden der Kreismüllabfuhr bei, bis dahin gab es Müllkippen im Klingelbrunnen (am Schützenhaus) und im ehemaligen Steinbruch zwischen Diemarden und Geismar.

Ebenfalls 1962 wird das neunte Schuljahr eingeführt. Die Schüler aus Diemarden werden dazu täglich nach Reinhausen gefahren (bzw. zum Werk- und Kochunterricht nach Geismar).

Der Bebauungsplan Nr. 1, Siedlung Bergstraße (ehem. Grundstück des Mühlenbesitzers Bauermeister) wird aufgestellt.

1962 wird die Totalrenovierung der St. Michaeliskirche begonnen, sie wird am 7. März 1965 wieder eingeweiht.

Saengermuschel

Zum 100jährigen Bestehen des Männergesangvereins, am 10. Juli 1971, wird auf dem Thie eine Konzertmuschel aufgebaut, in dem die eingeladenen Chöre und natürlich der Diemardener Männergesangverein ihre Lieder vortragen. Das Festzelt wird auf dem Sportplatz aufgebaut.

Im Februar 1965 wird der Einbau von Wasseruhren beschlossen.
Der Hof von Heinrich Deppe wird 1965 von Jugoslawen und 1971 von jeweils 30 Schülern landwirtschaftlicher Hochschulen besichtigt.

Ab 1966 gehen die Kinder vom 7. - 9. Schuljahr nach Geismar in die Schule. Der Schulleiter, Kurt Schröder geht mit nach Geismar. In Diemarden bleiben zwei Lehrkräfte und unterrichten die Klassen 1 – 6.

Ab 1. September 1969 gehen auch die Kinder der Klassen 5 und 6 nach Geismar, die Schule in Klein Lengden wird geschlossen. Die Kinder aus Klein Lengden besuchen die Schule in Diemarden. Er gibt jetzt reine Jahrgangsklassen. Eine Lehrerin aus Klein Lengden kommt mit nach Diemarden.

Am 29. Dezember 1972 findet die letzte Gemeinderatssitzung der Gemeinde Diemarden statt, die zum 31. Dezember 1972 ihre Selbstständigkeit aufgeben muß und als Ortsteil in die Gemeinde Gleichen übergeht.

Im Oktober verlässt Pastor Heinze Diemarden, sein Nachfolger wird Pastor Henning Behrmann.

Hochwasser_1981

Hochwasser 1981: Das Festzelt zum 110. Sängerfest versinkt in den Fluten

Im Frühjahr 1981 wird Diemarden wieder einmal von einem „großen Hochwasser“ der Garte überrascht und das für Pfingsten geplante 110jährige Sängerfest fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Das bereits hinter der Firma Weiss auf einer Wiese aufgebaute Zelt versinkt fast bis zur Hälfte im Wasser. Das Sängerfest wird ein Jahr später als „111.“ nachgeholt, doch der Schreck und die Folgeschäden machen vielen Anwohnern der Garte noch lange zu schaffen.

Im Februar 1996 tauchen die lange vermissten Kassen- und Mitgliederbücher des Männergesangvereins Diemarden in einem Schließfach der Sparkasse auf, in dem sie dreißig Jahre gelegen hatten.

Nachdem der 1. Weihnachtsmarkt in Diemarden ein Erfolg war, veranstalten die Familien Uwe Köhler und Frank Schäfer am 1. Dezember 1996 den zweiten Diemardener Weihnachtsmarkt auf dem Thie.

1999 zählt Diemarden 1032 Einwohner in 210 Wohngebäuden.

Diemardener Sage:

Ein Bauer aus Diemarden nimmt nach Tisch die
Hacke und geht auf das Feld. Plötzlich sieht
er bei der Arbeit den Stiel einer Pfanne aus
dem Boden ragen.
Er fängt an zu graben und findet unter der
Pfanne ein Kupferstück. Etwas
tiefer liegt ein Silberstück im Boden.

Zuletzt findet er einen großen Topf voll Geld,
der mit einem Deckel zugedeckt ist.
Gerade will er ihn an sich nehmen, da
kommt seine Frau und spricht ihn an.
Der Bauer antwortet ihr, aber kaum ist das erste
Wort gefallen, verschwindet
der Schatz wieder und wurde nicht wieder gesehen.

Traurig geht das Ehepaar nach Hause,
denn es hätte das Zaubergeld gut
gebrauchen können. Aber so oft der Bauer
auch das Feld absucht, er kann den
Schatz nicht mehr finden.

 
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