Die St. Michaeliskirche in Diemarden

(Der folgende Textauszug ist dem Buch "Diemarden im Wandel der Zeit" entnommen)

Diemardens alte Kirche, seit 1555 evangelisch-lutherisch, ist baufällig. Das ergab ein Gutachten, das im Jahre 1707 erstellt wurde. Die Bausubstanz war so schlecht, daß eine Renovierung nicht ratsam erschien. Der Turm war in einem besseren Zustand, er brauchte nur eine neue Spitze. Der erstellte Kostenvoranschlag ergab eine Summe von 1685 Talern 20 Groschen. Nach dem Abzug von Hand- und Spanndiensten, heute würde man sagen Eigenleistungen, verblieb ein Betrag von 1101 Talern 17 Groschen. Die Kirche besaß 600 Taler Bargeld und 575 fl. 24 gr. ausstehendes Kapital. Außerdem konnte sie 23 Morgen Land beleihen.

St.Michaelis 2011

Der Neubau der Kirche wird im Jahre 1710 beschlossen. Maurermeister Johann Lange aus Hardegsen erhält den Auftrag. Zur Finanzierung wird beschlossen bei jedem Gottesdienst zwei Klingelbeutel herumgehen zu lassen. Der Baubeginn wurde jedoch immer weiter hinausgezögert, weil immer neue Einwände von allen Seiten kamen. So ist man z.B. der Meinung, die alte Kirche sei durch schwere Stürme hinfällig geworden. Auch die Hand- und Spanndienste dürften dem Ort mit damals ungefähr 60 Wohnstätten schwerfallen, denn nebenher sind doch nach wie vor alle dem zuständigen Gericht zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet. Man versucht den Ort Reinhausen zur Mithilfe am Neubau heranzuziehen, stößt dort aber auf Ablehnung. So wird vorgeschlagen doch nur eine gründliche Renovierung durchzuführen.

Bis ins Jahr 1732 dauern die Diskussionen. Im Juni 1732 wird die alte Diemardener Kirche, die dem Hl. Michael tempore papatus geweiht war, dann doch abgerissen.

Der Grundstein für die neue Kirche wurde am 14. April 1733 gelegt. Pastor In Diemarden war zu dieser Zeit Johann Daniel Gottlob Schramm, dem die Planung und die Anleitung zum Bau der Kirche oblag.

Die Kirchengemeinde Diemarden nahm für den Neubau bei der Kirche in Rosdorf einen Kredit in Höhe von 300 Talern zu 3% Zinsen auf und verpfändete dagegen die hiesigen Kirchenländereien an die Rosdorfer Kirche. Die Kosten für den Neubau betrugen 1912 Taler 25 Groschen. Dazu fehlte noch das Geld für die Renovierung des Turmes sowie für die Innenausstattung der Kirche, die gegenüber der alten Kirche in Länge, Breite und Höhe erweitert war. Im Zuge der Renovierung des Turmes plante man ein neues erstes Stockwerk aus Holz und eine welsche Haube. Es wurde ein Betrag von 300 Talern errechnet, der noch fehlte. Bei den Bauarbeiten verunglückte ein Mann tödlich.

Am 17. November 1733 konnte das erste Kind in der neuen Kirche getauft werden, nachdem am 24. Sonntag nach Trinitatis der erste Gottesdienst stattfand. Die Kirche befand sich praktisch noch im Rohbau. Innenputz, Türen und Fenster fehlten noch.

Pastor Schaar beantragte im Jahre 1747 die Fortführung der Innenausbauarbeiten. Dringlich wurde dann aber 1747 die Renovierung des Turmes, der, ca. 1400 erbaut, einzustürzen drohte. Die obere Etage aus Holz und das Dach werden abgerissen und neu wieder aufgesetzt. Erst im Jahre 1774 wird der endgültige Innenausbau der Kirche durchgeführt.

Größere Reparaturen an Kirche und Turm sind im Jahre 1809 erforderlich, denen im Jahre 1839 gründliche Renovierungsarbeiten folgen. Bei diesen Arbeiten werden der Altar und die Kanzel vom Diemardener Tischler Richter neu angefertigt. Den Altar baut er mit Hilfe des Tischlers Ahrens aus Reinhausen. Die Schnitzwerke an den Säulen führt Tischler Kühne aus Göttingen aus. Aus der alten Kirche werden nur der steinerne Altartisch und der Taufstein übernommen. Die Renovierungs- und Tischlerarbeiten ziehen sich bis 1842 hin.

Nachdem im Jahre 1883 die Fenster der Kirche erneuert werden konnten, beschädigt ein schwerer Hagelschauer im Jahre 1886 das Dach des Kirchturms und zwingt die Kirchengemeinde das Dach 1889 reparieren zu lassen.

Bereits drei Jahre später wird wieder eine große Reparatur fällig. Durch den Druck der massigen Dachkonstruktion weicht die nördliche Mauer acht Zoll nach außen. Alle anfallenden Arbeiten werden unter Anleitung von Pastor Heller durch Diemardener Bürger ausgeführt und verursachten Kosten in Höhe von 2 029 Mark 61 Pfennig.

Im Jahre 1919 erhält auch die Kirche elektrisches Licht und man beschließt einfache Lampen anzuschaffen, weil wertvolle Beleuchtungskörper in den Nachkriegsjahren zu teuer sind.

Auf Wunsch der Gemeinde wird 1920 ein Platz vor der Kirche zur Verfügung gestellt auf dem ein Denkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Diemardener Bürger errichtet wird. Dieses Ehrenmal wird nach dem zweiten Weltkrieg um einen Flügel auf jeder Seite zum Gedenken an die Gefallenen des zweiten Weltkrieges erweitert.

Bei Reparaturarbeiten am Kirchturm im Juli 1931,wird die Kapsel unter dem Wetterhahn geöffnet. Man findet darin eine Bleiröhre mit einem vermoderten Dokument aus dem Jahre 1840 unterschrieben von Pastor Brauckmann. Außerdem sechs Geldstücke aus dem Jahre 1809, 1839 und 1840. Die Bleiröhre wird durch eine Flasche mit neuen Dokumenten über die Verhältnisse in Volk und Gemeinde um 1930 ersetzt.

 
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